fuge

Intervention an der Außenfassade des Ballhaus Ost, 28. August 2014

In Berlin erzählen bis zum heutigen Tage einige Straßen, Häuser und ihre Fassaden dem Betrachter von den Kämpfen in den letzten Kriegstagen in Berlin und berichten dadurch unweigerlich von Leid und Zerstörung. Vor allem in den Bezirken des ehemaligen Ostteils der Stadt sind diese “Wunden” im Lauf der Jahrzehnte erhalten geblieben. Der Prenzlauer Berg war in der Nachkriegszeit ein nicht besonders beliebter Kiez, eben weil dort die Einschusslöcher in den Fassaden täglich an die Zeit des Nationalsozialismus und die verheerenden Folgen erinnerten. Auf Grund der vielen Sanierungen der Nachwendezeit verschwinden die Einschusslöcher der einst verwundeten Stadt jedoch immer mehr aus dem Blickfeld der Bewohner und Passanten und somit unweigerlich auch aus dem Bewusstsein und der Erinnerung der Menschen. Mit der Intervention Fuge wurden die immer noch auf der ansonsten grauen Fassade des Ballhaus Ost sichtbaren Einschusslöcher mit Blattgold gefüllt und somit stark visuell hervorgehoben. Mittels dieser “Vergoldung” werden diese “offenen Stellen” durch den Blick der Zuschauer zu temporären Mahnmälern. Die Partikel werden sich bedingt durch Wind und Wetter im Laufe der Zeit wieder aus der Fassade lösen und sich so in den Prenzlauer Berg, in die Stadt hinein verteilen, und dabei fast unsichtbare Spuren hinterlassen. Mittels dieser ephemeren Arbeit möchte die Künstlerin Sonya Schönberger den Betrachter einladen, sich der damaligen Zeit anzunähern, denn die künstlerische Auseinandersetzung mit den Spuren der Vergangenheit stellt für uns eine Möglichkeit dar, auch die eigene Gegenwart besser zu verstehen und die Dinge zu begreifen, die bis heute Einfluss auf unser eigenes Leben haben.