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Goethes Topfpflanzen

Im Rahmen von "Vom Glück der Provinz" in der ACC Galerie Weimar, dem Jenaer Kunstverein, dem Goethemuseum Stützerbach inklusive dem Glaserschen Haus.

Eröffnung 27.08.2020

Goethes Topfpflanzen schenkt denen Beachtung, die heute im Haus am Frauenplan zu finden sind. Sie sind keineswegs einheimisch und wurden ab dem 17. Jahrhundert in die Alte Welt geholt – wofür viele Arten einen hohen Preis zu zahlen hatten. Natürlich waren die unbekannten Exoten nur den Reichen und der Wissenschaft vorbehalten. Goethe war einer der ersten, der sich bewusst Pflanzen in die Zimmer nahm. Im Laufe der musealen Geschichte seines Hauses seit dem 19. Jahrhundert wanderten die Pflanzen vermeintlich willkürlich darin umher. Ab den 1990er Jahren gab es einen Plan für die Bespielung der Häuser der Klassik Stiftung Weimar mit Topfpflanzen, soweit diese zum Gestaltungskonzept gehörten. Aktuell befinden sich vier Brutblätter, eine Passionsblume, eine Duftgeranie, ein Feigenkaktus, zwei Grünlilien, eine Zimmerbegonie und ein Elefantenohr in den Räumen. Sie scheinen wenig Beachtung zu haben. Nach jetzigen Regelungen ist es den Aufsichten untersagt, sich um sie zu kümmern, so wie es einst der Fall war. Die Fotoserie zeigt die Pflanzen auf ihrem Weg durch das Haus am Frauenplan im Laufe der jüngeren deutschen Vergangenheit und stellt Fragen nach der Verantwortung und dem Bewusstsein, das wir für die grüne Zier in unserem Besitz haben. Die einstigen Exoten werden längst als Massenware gezogen und innerhalb kapitalistischer Handelsstrukturen zu Spottpreisen verkauft.


Goethes Topfpflanzen (Goethe's potted plants) pay attention to those that can be found today in the house on Frauenplan in Weimar, Goethes last dwelling. They are by no means native and were brought to the Old World from the 17th century onwards - for which many species had to pay a high price. Of course, the unknown exotics were reserved only for the rich and the scientific community. Goethe was one of the first to deliberately take plants into his rooms. In the course of the museum history of his house since the 19th century, the plants wandered around in it, supposedly at random. Starting in the 1990s, there was a plan for placing potted plants in the houses of the Klassik Stiftung Weimar, as far as they were part of the design concept. Currently, there are four brood leaves, a passion flower, a scented geranium, a prickly pear, two green lilies, a room begonia and an elephant ear in the rooms. They seem to have little regard. Under current regulations, custodians are prohibited from caring for them as they once did. The research and photo series shows the plants as they make their way through the Haus am Frauenplan over the course of Germany's recent past, raising questions about the responsibility and awareness we have for the green ornaments in our possession. The former exotics have long since been grown as mass-produced goods and sold at ridiculous prices within capitalist trade structures.

Arbeitszimmer klchristianezimmer klgelber saal klSteinzimmer klsterbezimmer klUrbinozimmer kl

Jenaer Kunstverein

Die im Jenaer Kunstverein ausgestellten Pflanzen wurden von den Bewohner- und Nutzer*innen des Kirstenschen Hauses in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kunstverein Jena der Künstlerin vertrauensvoll zur Verfügung gestellt und repräsentieren einen Querschnitt von Pflanzen in deutschen Wohnungen. An Stelle des aktuellen Neubaus unter der Adresse Unterm Markt 1 befand sich bis zum Krieg das Haus, in dem 1794-95 Schiller lebte und wo es zur ersten Begegnungen zwischen ihm und Goethe kam. Beide hatten einen Vortrag der Naturforschenden Gesellschaft besucht. Danach lud Schiller Goethe zu sich in seine Wohnung. Auf dem Weg dorthin waren sie im Nachklang des Vortrags in ein Gespräch über die Theorie der Urpflanze vertieft.


The plants exhibited at the Jena Kunstverein were trustingly made available to the artist by the residents of the Kirstensche Haus in the immediate vicinity of the Jena Kunstverein and represent a cross-section of plants in German homes. On the site of the current new building at the address Unterm Markt 1 existed, until the war, the house where Schiller lived from 1794-95 and where he and Goethe first met. Both had attended a lecture of the Naturforschende Gesellschaft. Afterwards, Schiller invited Goethe to his apartment. On the way there, in the aftermath of the lecture, they were engrossed in a conversation about the theory of the primordial plant.

Jena kl

Goethemuseum Stützerbach

Gundelachsches Haus und Glasersches Haus

Eine in Thüringen fast alles verbindende Figur ist der Dichter Johann Wolfgang Goethe. Das Gundelachsche Haus in Stützerbach gehörte bis 2014 ebenfalls zur Klassikstiftung und wird heute auf Initiative des Förder- und Freundeskreises Goethemuseen/Goethegesellschaft Ilmenau/Stützerbach weitergeführt. Es befindet sich so gut wie kein originales Stück aus Goethes Nachlass mehr in dem Haus. So sind auch die hier zu sehenden „Pflanzen“ nur auf Pappe aufgezogene Abbilder der originalen Pflanzen aus dem „echten“ Goethehaus. Die Objekte, die außerdem gezeigt werden, weisen auf die handwerkliche Tradition von Stützerbach hin, die den Ort einst prosperieren ließ und jemanden wie Goethe hierherlockten.

In Stützerbach siedelten sich ab 1648 die ersten Glasmacher an. Die Glashütten wurden stets in waldreichen Tälern gegründet, denn Holz ist der wichtigste Rohstoff für die Glasmacher. In den 1730er Jahren hielt sich Herzog Ernst August oft in Stützerbach auf, denn die Wälder eigneten sich hervorragend zur Jagd. Die herzogliche Jagdgesellschaft nutzte dann meist die sich im Ort befindlichen repräsentativen Wohngebäude des Glashüttenbesitzers Johann Niclaus Gundelach und des vermögenden Kaufmanns Johann Elias Glaser – beides Häuser, die durch das Engagement der Betreiber*innen und Besitzer heute besucht werden können und die zweiteilige Ausstellung beherbergen. Nach Stützerbach kam Goethe zum ersten Mal 1776. Als er in den darauffolgenden Jahren mit Carl August auf die Jagd ging, übernachtete er im Gundelachschen und feierte im Glaserschen Haus.

Die gezeigte Installation im Salon des Glaserschen Hauses knüpft Verbindungen zwischen der Auseinandersetzung mit den exotischen Pflanzen, die heute immer noch im Nationalmuseum in Weimar zu sehen sind, aber auch zur Sammelleidenschaft des aktuellen Hausbesitzers, sowie dem Glasmacherhandwerk, das Stützerbach einst zu einem bedeutenden Industriestandort gemacht hatte. Die Pflanzen, die hier in einem barocken Pflanzengefäß zu sehen sind, stellte der Botanische Garten Jena zur Verfügung. Viele Pflanzen erreichten Jena einst aus Belvedere bei Weimar. Goethe erhielt 1776 von Herzog Carl August den Auftrag, in Jena eine Botanische Anstalt einzurichten. Hier entwickelte sich sein Interesse für Pflanzenkunde.

Wir alle sind verbunden mit und nehmen Anteil an einer sehr langen Geschichte, ohne die wir nicht existieren.


A figure that connects almost everything in Thuringia is the poet Johann Wolfgang Goethe. The Gundelachsche Haus in Stützerbach also belonged to the Klassikstiftung until 2014 and is now run on the initiative of the Förder- und Freundeskreis Goethemuseen/Goethegesellschaft Ilmenau/Stützerbach. There are virtually no original pieces from Goethe's estate left in the house. Thus, the "plants" to be seen here are only images of the original plants from the "real" Goethe House in Weimar mounted on cardboard. The objects that are also on display point to Stützerbach's tradition of craftsmanship, which once allowed the town to prosper and attracted someone like Goethe here.

The first glassmakers settled in Stützerbach starting in 1648. The glassworks were always founded in densely wooded valleys, because wood is the most important raw material for this trade. In the 1730s, Duke Ernst August often stayed in Stützerbach because the forests were ideal for hunting. The ducal hunting party then usually used the representative residential buildings of the glassworks owner Johann Niclaus Gundelach and the wealthy merchant Johann Elias Glaser, both of which can be visited today thanks to the commitment of the owners and operators, and which house the two-part exhibition. Goethe came to Stützerbach for the first time in 1776, and when he went hunting with Carl August in the following years, he stayed at Gundelach's and celebrated at Glaser's house.

The installation on display in the salon of the Glaserschen Haus forges links between the artist's preoccupation with exotic plants, which can still be seen today in the National Museum in Weimar, but also to the current homeowner's passion for collecting, and the glassmaking trade that once made Stützerbach an important industrial center. The plants, which can be seen here in a baroque plant container, were provided by the Jena Botanical Garden. Many plants once reached Jena from Belvedere near Weimar. In 1776, Goethe was commissioned by Duke Carl August to establish a botanical institute in Jena. It was here that his interest in botany developed.

We are all connected with and take part in a very long history, without which we would not exist.

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